Ich gegen das Web

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vServer bei Webtropia - Erfahrungen und Kritik

Meine Erfahrungen mit Webtropia. Spoiler: Webtropia ist okay.

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Ich habe ja schon so einige Webhosting-Verträge abgeschlossen. Entweder im Auftrag eines Kunden, für mich persönlich oder im Auftrag eines Auftraggebers. Bisher nutzte ich zumeist Contabo, Netcup oder Hetzner. Da bei Signaltransmitter ein Paket auslief auf dem ein privates Projekt liegt und ich bei Netcup zufällig auch einen virtuellen Server (vServer oder VPS) hatte, der zeitnah auslaufen würde, wollte ich die beiden Projekte auf einem VPS zusammenbringen und ein paar Euro sparen.

Nach einiger Recherche im Netz bin ich dann bei Webtropia gelandet. Der Server war nicht der günstigste oder leistungsfähigste im Vergleich (VPS bis 5€), jedoch überzeugte mich die Möglichkeit relativ günstige weitere IPv4-Adressen hinzuzubchen. Also wurde ich Kunde bei Webtropia. Zumindest war das der Plan.

Spoileralarm: Webtropia ist im Vergleich zu Netcup oder Contabo nicht so .. naja .. gut.

Kein aktuelles Ubuntuimage bei Webtropia!

Bestellung und Legitimation

Das Betriebssystem

Das Auswählen des VPS und die Konfiguration ist einfach. Jedoch da schon der erste "Schreck": Die haben kein (ganz) aktuelles Ubuntu-Image. Focal Fossa (Ubuntu 20.4 LTS!) ist seit August verfügbar. Ich habe den Server Ende Oktober bestellt. Natürlich wird Ubuntu 18.04 noch bis in das Jahr 2023 mit Patches und Updates versorgt. Aber für Webtropia, ein großes Unternehmen, ist das schon ziemlich schwach kein aktuelles Betriebssystem anzubieten!

Neben Ubuntu stehen noch CentOS, Debian und openSUSE zur Verfügung. Warum CentOS noch in der Version 6 angeboten wird, entzieht sich meinem Verständnis. Klar, hier endet die Unterstützung erst 2024 - aber die CentOS Nutzer die ich kenne würden mir einen Vogel zeigen, wenn ich mit der 6er um die Ecke komme. Viel Schlimmer als CentOS in der Version 6 ist aber debian mit der 8.0! Hier wurde der Support bereits eingestellt. Dafür ist Buster (Debian 10.0) aktuell, was angesichts der Veröffentlichgung vor einem Jahr zu erwarten war.Webtropia bietet nur bei Ubuntu Plesk an

Und bei openSUSE? Da ist alles noch schlimmer. Es wird genau eine Version angeboten. Die 42.3! Ja, richtig gelesen. openSUSE 42.3 mit aufgelaufendem Support im Juni 2019!

Ich stelle also fest: Webtropia bietet bei den virtuelen Servern keine wirklich aktuellen Betriebsysteme zur Auswahl. Weiterhin sind einige davon schon lange aus dem Support der Hersteller gegangen.

Als Hinweis noch: Mir ist aufgefallen dass lediglich bei Ubuntu die direkte Installation von plesk (als Verwaltungsoberfläche) angeboten wird. Die anderen Betriebssysteme scheinen frei jeglicher zusätzlicher Software zu sein. D.h. die Lizenzen (siehe weiter im Text) beinhalten nicht das automatische Setup auf dem VPS. Wird auf mich eher lieblos.

Weitere Optionen

Keine große Auswahl der Verwaltungsoberflächen

Als nächstes kann der Kunde Lizenzen einiger großen Webhostingcontrolpannel-Anbieter auswählen. Genauer gesagt er kann sich zwischen plesk und CPanel entscheiden. Die Auswahl ist etwas mager und es wird keine OpenSource Alternative angeboten.

Wer überhaupt eine Verwaltungsoberfläche benötigt, der wird wohl auch eher zu den größeren Anbietern greifen. Aber überhaupt keine Alternativen anzubieten bewerte ich negativ.

Preislich scheint es sich hierbei um Resellertarige zu handeln. So sind die Angebote günstiger als beim Direktkauf.

Die Auswahl der Lizenzen bzw. des Betriebssystems sind die einzigen Auswahlmöglichkeiten die angeboten werden. Zusätzliche Leistungen wie Backupspace, Domains oder zusätzliche IP-Adressen werden zu diesem Zeitpunkt nicht angeboten.

Dieser erste Schritt ist also ganz rundimentär bei der Konfiguration des zukünftigen VPS. Das machen andere besser. Webtropia orientiert sich meiner Meinung nach mit dem initialen Setup der VPS eher an unerfahrenen Nutzern.

Laufzeiten

Längere Laufzeit bedeutet bei Webtropia einen günstigeren Preis zu erhalten

Nachdem der VPS quasi zusammengestellt wurde (also gaaaanz rudimentär), kommt die erste positive Überraschung. Bisher wurde immer mit dem vollen monatlichen Preis geworben. Nun habe ich die Möglichkeit durch eine längere Laufzeit den Preis zu beeinflussen.

Aus den monatlichen 3,99€ für den kleinen VPS (vServer Linux S) werden so 3,39€. Immerhin eine Ersparnis von knappen 14€ auf 24 Monaten. Wer hier also ein Projekt für den längeren Betrieb hosten will, kann noch ein bisschen Sparen.

Das VPS-Produkt landet dann im Warenkorb und es geht weiter im Setup.

Nutzerkonto und Gutschein

Im nächsten Schritt muss ich meine persönlichen Daten angeben. Wenig aufregend. Weiterhin besteht die Möglichkeit noch einen Gutschein einzutragen. Während bei Netcup sich ja ein kleines Ökosystem um Gutscheine gebildet hat, musste ich für einen Webtropia-Gutschein etwas suchen. Gefunden habe ich dann tatsächlich einen. So sind die Kosten im ersten Monat noch einmal gesunken (um 2,50€).

Gutschein und Kundenkonto bei Webtropia

Legitimierung

Als letzten Schritt wählte ich noch die Zahlungsart aus. Da ich eigentlich keine Lust auf die zusätzlichen Transaktionsgebühren hatte und die Website es auch anbot, wählte ich SEPA-Lastschrift. Ein Fehler. Durch diese Auswahl muss eine zusätzliche Legitimation durchgeführt werden.

Ich habe kurz darauf eine E-Mail erhalten in der ich aufgefordert wurde einen Scan meines Ausweises via E-Mail oder eine Kopie dessen via Fax an Webtropia zu schicken.

Okay .. also Fax fällt schon einmal aus. Mal ehrlich: 2020 und Fax? Was sind das für Kunden bei Webtropia? Und E-Mail? Grundsätzlich ja .. wenn ich da auch eine verschlüsselte E-Mail schicken kann. Aber natürlich gab es keinen Schlüssel. Ich habe dann den Support angeschrieben und um einen Schlüssel gebeten. Die Antwort im schlechten Deutsch war, ich könnte dem ZKM vertrauen. Dem was? Es hat ein paar Minuten gedauert bis ich darauf gekommen bin. Das Zentrale Kunden Management. Also mal eingeloggt im Kundeninterface. Und dort - welche Freude - konnte ich mich direkt über eine SMS-Bestätigung legitimieren. Also mir den Code zuschicken lassen und eingegeben. Danach dem Support mitgegeilt, dass ich jetzt doch wohl legitimiert wäre.

Nein, war ich nicht. Der Ausweis ist unumgänglich da ich ja einen Vertrag mit Postpaid hätte. Ich sollte entweder den Ausweis übersenden oder zu einem Pre-Paid-VPS greifen. Naja, darauf hatte ich dann auch keine Lust mehr. Immerhin war ich ja nun kein Neukunde mehr und der Gutschein wäre damit flöten gegangen. Also im ZKM-Ticket-Bereich einen Scan vom Ausweis hochgeladen. Natürlich habe ich die entsprechenden Stellen geschwärzt (warum jeder das so machen sollte hat vice mal geschrieben gehabt).

Zwei Stunden später habe ich dann die Zugangsdaten zum VPS erhalten.

Zusammenfassung "Serverkauf" bei Webtropia

Zusammenfassend muss ich leider sagen, dass ich mit dem Ablauf bei Webtropia nicht zufrieden bin. Abgesehen der technischen Schwächen (Betriebssystem), der fehlenden Konfigurationsauswahl und langen Bearbeitungszeit war es besonders die Legitimation via Ausweis die mich zu einem negativen Urteil kommen lässt.

Als nächstes werde ich mal meine Projekte auf den neuen VPS migireren. Sehr wahrscheinlich werde ich diesen Beitrag dann ergänzen.

Updates: Dinge die mir aufgefallen sind

Positive Erfahrungen bei Webtropia

  • Hingegen meiner Ansicht von oben kann sehrwohl auch bei anderen Betriebssystemen plesk installiert werden. Allerdings gibt es diese Option nur im Kundeninterface bei der Serververwaltung.
  • Das bestellen von zusätzlichen IPv4-Adressen ist ein automatisierter Prozess. D.h. ich habe innerhalb kurzer Zeit die neue Adresse erhalten. Die Kosten für die neie IP-Adresse beläuft sich auf nur 0,97€ im Monat.

Negative Webtropia-Erfahrungen

  • Auf den eigentlich "leerem" Server ist Apache2 installiert.
Oktober 24, 2020

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