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Mein Versuch auf Amazon zu verzichten. Und welche Alternativen es gibt.

Ich bin seit vielen Jahren Kunde bei Amazon. In dieser Zeit habe ich wirklich eine menge Dinge dort gekauft. Entweder direkt bei Amazon oder √ľber einen H√§ndler, welcher bei Amazon auf dem Marketplace aktiv ist. Waren es im Jahr 2008 noch vier Bestellungen, lag ich im Jahr 2020 bei insgesamt 281 Eink√§ufen. Und da geht es nicht um Artikel, sondern um einen reinen Einkaufsvorgang mit mehreren Artikeln.

Meine Bestellungen aus dem Jahr 2008Bewerbungsb√ľcher und ein Handy! 2008 war ein klasse Jahr f√ľr mich.

Konsument und Amazon-j√ľngling!

Waren es in den "Anfangsjahren" noch Dinge, die ich wirklich ben√∂tigte, kaufte ich im Jahr 2020 schon viel Bl√∂dsinn. Irgendwann war der Punkt erreicht, dass ich selbst Kleinigkeiten und Dinge des t√§glichen Bedarfs bei Amazon bestellte. Ich bin ganz ehrlich: Heute etwas bestellt und es morgen oder sp√§testens √ľbermorgen schon im Briefkasten zu haben - ein Traum! Sp√§testens mit der Einf√ľhrung der DHL Packstationen und den Amazon Packstationen wurde ich zu einem Amazon-Opfer.

Nat√ľrlich war mir immer bewusst, dass Amazon ein Unternehmen ist, dass sehr stark auf Profit achtet und andere Mitbewerber verdr√§ngt. Ich wusste nicht zuletzt auch dank investigativer Journalist:innen, dass bei Amazon vieles im Argen liegt. Sp√§testens durch die Dokumentation von Mirko betrachtete ich Amazon kritisch. Es √§nderte aber nichts an meinem Konsumverhalten. Und daf√ľr gab es drei wesentliche Gr√ľnde:¬†

  1. Das Angebot von Amazon ist nahezu unersch√∂pflich. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Egal, ob Elektronikartikel, Buch oder Kost√ľm f√ľr den Karneval: Amazon hat es. Und Amazon l√§sst es mich auch finden. Denn die Suche bei Amazon ist grandios.
  2. Die Produkte waren immer g√ľnstiger als bei anderen Seiten. Zumindest den Seiten, die ich so kannte. Egal, ob Media Markt oder der Hersteller von Sportequipment: Bei Amazon gab es nahezu immer den wirklich g√ľnstigsten Preis.
  3. Der Versand! Ich habe es ja oben schon beschrieben. Am Montag bestellt, am Dienstag war der Paketbote schon da. Teilweise (w√§hrend meiner Zeit in M√ľnchen, K√∂ln oder Hamburg) auch schon abends mit dem Amazonboten via Same Day.

Der Weg zur Einsicht.

Irgendwann begann das Jahr 2020. Und dann kam irgendwann Corona. Wie vielen anderen wurde ich durch die Pandemie zwangsl√§ufig dazu "gezwungen" mehr Zeit in den heimischen vier W√§nden zu verbringen. Und dies hatte zur Folge, dass ich mehr Zeit im Internet und mehr Zeit beim Online-Shopping verbrachte. Seit vielen Jahren war ich Mitglied bei der Plattform MyDealz. MyDealz ist eine "Deal-Sharing-Community". D.h. hier k√∂nnten Nutzer:innen Angebote, ganz gleich ob offline oder online, ver√∂ffentlichen. Fr√ľher nutzte ich dies besonders dann, wenn ich nach Angeboten f√ľr spezielle Dinge suchte. Brauchte ich ein Fahrrad, schaute ich zuerst bei MyDealz vorbei, ob es da ein Angebot gab. Meistens war dies der Fall. Und im Jahr 2020 fiel mir dann irgendwann auch mal auf, dass es fast nur noch Deals von Amazon waren, die am Ende einer solchen Recherche standen.

Im M√§rz gab es dann die ersten Berichte dar√ľber, wie erfolgreich Amazon wirklich ist bzw. wie viel erfolgreicher Amazon dank Corona wurde.

Amazon-Meldung im März 2020Der erfolgreiche Jeff von Amazon (Quelle n-tv.de

Bei n-tv schrieb zum Beispiel Wolfram Weimer, dass die "[...] Geschäfte boomen wie noch nie, [und] das Unternehmen will auf einen Schlag 100.000 neue Mitarbeiter einstellen [...]". Zu dieser Erfolgsmeldung gehörte aber auch die ganz wesentliche Information, dass Jeff Bezos "[...] in nicht einmal zwei Wochen um gut 10 Milliarden Euro reicher geworden [ist]. Kein Mensch auf der Welt hat mehr vom Coronavirus profitiert als der ohnedies reichste Mann der Welt. [...]".

Geben ist seliger als Nehmen?

Auch wenn sich das in der Zwischenzeit (Stand 01/2021) wieder ge√§ndert hat, kann konstatiert werden, dass Bezos jede Menge Geld hat und Corona ihm nicht schadete. Anderen dagegen schon: Mitarbeiter:innen und Lieferant:innen mussten dem Druck, der durch Amazon auf sie ausge√ľbt wurde, nun auch vor dem Hintergrund von Corona standhalten. L√§cherlich wurde es dann, als Bezos den Amazon Relief Fund initiierte. Denn der reichste Mann der Welt bat doch tats√§chlich die eigenen Mitarbeiter:innen um Spenden!

Bei Snopes ist wunderbar zusammengetragen, was genau eigentlich passiert war. Mich brachte diese Geschichte dann tatsächlich zum Umdenken. Ich konnte es nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren, dass in einer so schweren Zeit so wenig Menschlichkeit in einem so mächtigen und potenten Unternehmen gelebt wurde.

Eventuell ist es noch interessant anzumerken, dass ich einige Freunde habe, die bei Amazon arbeiten. Allerdings in leitender Position. Und ja, wer gut qualifiziert ist, hat bei Amazon unglaublich tolle Aufstiegschancen. Am Ende geht dies aber auf die Kosten der Schwachen und Unqualifizierten, die oft in einem Kreislauf feststecken, aus welchem sie nicht mehr herauskommen. Ich bin √ľberzeugt davon, dass alles, was an Amazon toll ist (egal ob f√ľr Kunden:innen oder Mitarbeiter:innen), nur m√∂glich ist, weil es viele Menschen gibt, die durch Amazon mehr oder weniger in prek√§ren Besch√§ftigungsverh√§ltnissen stecken und f√ľr einen Apfel und ein Ei schuften.

Bisschen weniger Scheiße sein beim Onlinekauf.

Die Motivation war also da. Und sie war dieses Mal ausreichend gro√ü, dass ich versuchte ein bisschen weniger schei√üe zu sein, wenn ich im Internet auf Shoppingtour ging. Ganz auf das Einkaufserlebnis, im Internet zu verzichten, funktioniert leider nicht. Nat√ľrlich w√§re es grunds√§tzlich besser vor Ort in Gesch√§ften einzukaufen. Aber folgende Probleme habe ich:

  1. Während Corona war vieles geschlossen und es gab keine Möglichkeit dort einzukaufen. Nicht nur gab es keine wirkliche Kontaktmöglichkeit - ich wusste auch nicht was wirklich vorrätig ist.
  2. Gewisse Dinge sind einfach nicht zu bekommen. Entweder f√ľhrt das Gesch√§ft jenes Produkt nicht im Sortiment oder es passt einfach nicht. Dabei geht es mir nicht um Attribute wie Farbe oder Geschmack. Es geht mir um Aspekte wie Nachhaltigkeit und Funktionalit√§t. Was bringt es mir, wenn ich versuche ein bisschen weniger Schei√üe zu sein und dann doch das T-Shirt aus der Kinderarbeit kaufe? Was bringt es mir, wenn ich versuche ein netter Mensch zu sein und dann doch auf Materialien zur√ľckgreifen muss, die schlecht f√ľr die Umwelt sind?
  3. Der Preis ist oft viel zu hoch. Mir geht es im Vergleich zu vielen anderen Menschen sehr gut. Aber auch ich muss bei bestimmten Dingen auf den Preis schauen. Ich schaue mir ein Produkt an und das Verh√§ltnis von Preis zu Leistung muss gerechtfertigt sein. Mir geht es dabei nicht um Mehrkosten von 10 oder 15 Prozent. Aber wenn ich offline teilweise den dreifachen Preis zahlen soll und das Produkt qualitativ schlechter ist, dann ist es f√ľr mich keine Option. Ein Beispiel: Verl√§ngerungskabel. Ich ben√∂tigte ein Kraftstromkabel. 40 Meter sollten es werden. Im Baumarkt vor Ort: maximale L√§nge 15 Meter und je 10 Meter der Preis von 40 ‚ā¨. Online - nicht bei Amazon - f√ľr 45 Meter 90 ‚ā¨.

Richtige Balance zwischen Offline und Online finden.

Was bleibt mir also am Ende des Tages? Eigentlich nur zu versuchen in den richtigen Augenblicken die richtige Entscheidung zu treffen. Dies bedeutet f√ľr mich, dass ich bei Dingen bei denen ich denke, dass es diese im lokalen/regionalen Einzelhandel gibt auch dort kaufe. Und dabei zahle ich halt darauf. Ich investiere Zeit (im besten Fall kann ich mit dem Fahrrad fahren, im schlechtesten muss ich das Auto nehmen) und Geld, habe aber das Gef√ľhl bisschen besser zu sein als fr√ľher. Wenn aber die Mehrkosten (besonders wenn der Preis, weit jenseits der 30 Prozent liegt) zu hoch sind, schaue ich mich online um.

Und wenn ich heute online Shoppe, dann versuchte ich auf folgende Dinge zu achten:

  1. Nachhaltigkeit: Lieber etwas qualitativ h√∂herwertiges Kaufen, dass im besten Fall besser f√ľr die Umwelt ist als ein Vergleichsprodukt. Na klar kostet dies mehr, aber ich hoffe davon auch l√§nger etwas zu haben.
  2. Regionalit√§t: Ich versuche erstmal in Deutschland oder der EU zu kaufen. Ich will nicht Amazon mit Alibaba substituieren. Also erstmal bei den Herstellern direkt nachgesehen, ob die meine Produkte auch verkaufen. Eventuell kostet dies auch mehr - aber ich hoffe so die regionale Firma zu unterst√ľtzen. Auch wenn dies nicht immer funktioniert (Schlagwort Elektroartikel, die eh alle aus China importiert werden), erhoffe ich mir dadurch ein wenig humaner beim Einkauf zu sein.
  3. Zeit: Ich bin bereit zu warten. Ich weiß, dass es beim kleinen Betrieb eben länger dauert bei der Bearbeitung meiner Bestellung. Wenig Automatisierung, viel Handarbeit: Da muss ich halt warten. Ich bin also bereit hier meine Zeit zu investieren.

Praktische Online-Shopping-Tipps

Und jetzt zum praktischen Teil. Wenn ich etwas brauchte, dann muss ich länger suchen. Folgende Tipps habe ich, damit trotz Amazon-Boykott ein guter Preis am Ende steht.

Hosensuche mit Google-ShoppingWelche Hose soll es sein? Google hilft da schon sehr gut weiter.

Am Anfang steht nat√ľrlich immer die Frage der Nachhaltigkeit! Und da ist es absolut wesentlich zu entscheiden, ob es √ľberhaupt ein Neukauf sein muss. Wenn es auch gebraucht sein darf, dann schaue ich immer zuerst bei Ebay-Kleinanzeigen und eBay vorbei. Wenn es neu sein muss (oder sich bei Ebay-Kleinanzeigen und eBay nicht finden l√§sst), geht das Shopping weiter.

Als N√§chstes das geeignete Produkt finden. Kaufe ich ein ganz bestimmtes Produkt? Sagen wir mal Adapter f√ľr eine technische Anlage? Oder ist es ein generelles Produkt wie eine Hose? Davon h√§ngt ab, was und wo ich suche. Wenn ich nicht genau wei√ü, was ich will, dann nutze ich Google Shopping um zum perfekten Produkt zu gelangen. Bei der Hose w√ľrde ich Schlagw√∂rter wie "hose fairtrade co2 neutral" eingeben und mir die Ergebnisse anschauen.¬†

Irgendwann habe ich dann ein Produkt gefunden, welches ich haben will. Dann schau ich noch einmal kurz beim Google Preisvergleich vorbei.

Ab zum Preisvergleich

Dort kann ich mich dann durch einige Websites klicken. Eventuell ist ja ein lokaler Einzelhändler aus meiner Umgebung dabei. Wenn nicht, lässt sich vermutlich ein Anbieter aus Deutschland finden.

Zusätzlich schaue ich noch bei einer Meta-Preisvergleichssuchmaschine vorbei. Manchmal kommt dabei auch noch ein besseren Preis bei rum oder ich finde einen besseren Anbieter.

Es ist zu beachten, dass weder Google-Shopping noch Preisvergleichsportale immer alle Websites finden oder auflisten. Und nicht jeder Eintrag dort ist auch seriös. Manche Website ist auch nur Abzocke. Wer sich aber ein wenig mit den Preisen beschäftigt, wird schnell die schwarzen Schafe erkennen lernen.

Eigentlich wollte ich nur loswerden, dass ich seit fast 2 Monaten nicht mehr bei Amazon eingekauft habe. Auch die Weihnachtsgeschenke sind anderswo erworben worden. Ob ich die Welt besser gemacht habe? Eher nicht. Aber ich hab es zumindest versucht.